Wer schreibt?

Astrid1Ich war 15 Jahre alt, als mein Vater mich mit zum Schlachthof nahm – zur Westfleisch in Coesfeld, dort arbeitete er damals. Ich erinnere mich nur noch, dass ich durch riesige Hallen lief, an aufgehängten Rinder- und Schweinehälften vorbei, und dass der Gestank ganz furchtbar war. Direkt danach wurde ich Vegetarierin – mit dem Töten von Tieren wollte ich nichts zu tun haben! Das war 1987. Seitdem habe ich nie wieder Schweine oder Rinder gegessen. Hühner und Fische mussten allerdings noch ein paar Mal dran glauben, weil ich Jahre später meinte, beim sommerlichen Grillen mit Freunden oder im Mallorca-Urlaub doch noch mal Tier auf meinen Teller legen zu müssen. Das ist längst Geschichte.

Mein Sohn

Meinen Sohn – mittlerweile 14 – habe ich nicht vegetarisch ernährt, wohl weil alle, Ärzte, Eltern, Freunde, davon abrieten. Heute würde ich es anders machen, hätte mehr Wissen und mehr Selbstvertrauen, diesen Meinungen entgegenzutreten. So kaufte ich ihm ab und zu ein Stück vom Huhn im Super-Bio-Markt und bereitete es ihm – angewidert und mit spitzen Fingern – zu. Damit hörte ich vor rund drei Jahren auf – Fleisch aß er fortan nur noch bei seinem Vater. Nun ist mein Sohn seit einigen Monaten Vegetarier 🙂 Und das war seine eigene Entscheidung! Toll finde ich, dass er schon seit Jahren einen riesigen Bogen um Mc Donald’s, Burger King oder Billigfleisch vom Aldi macht. Das Fleisch von Fast-Food-Ketten oder Discountern zu essen, empfand er schon lange als – Zitat – „widerlich“.  Er liebt Tiere – und deshalb will er sie nicht mehr essen.

Seit Herbst 2013

Vegan lebe ich erst seit Herbst 2013. Lange habe ich nicht verstanden (oder habe ich es ausgeblendet?), dass auch Milchkühe ein wirklich jämmerliches Leben führen. Dass sie ständig schwanger sein müssen, um Milch zu geben. Dass ihnen ihre Babys nach der Geburt weggenommen werden. Dass sie statt im Herdenverband auf der Wiese in Boxenlaufställen ihr Dasein fristen. Dass ihre Euter oft schmerzen, weil sie so gezüchtet werden, dass sie viel mehr Milch geben als noch vor 20 Jahren. Und dass sie im Schlachthaus enden, sobald sie nicht mehr genug Milch geben – also im Alter von etwa vier Jahren. Wobei man wissen muss, dass Kühe rund 20 Jahre alt werden können. Auch Eier habe ich bis 2013 gegessen. Ausschließlich Bio-Eier von einem Landwirt im Kreis Borken, auf dessen Hof ich mich persönlich umgeschaut hatte. Und manchmal die Eier vom Hof meiner Tante, auf dem die Hühner frei herumlaufen. Ich dachte, die haben es doch gut. Na ja, sie haben es besser als ihre Kollegen in den riesigen Ställen, die nie das Tageslicht sehen, die nie auf einer Wiese herumlaufen, die, im schlimmsten Fall, in engen Käfigen hocken. Aber: Auch diese „glücklichen“ Hühner hatten als Küken Brüder, die direkt nach der Geburt geschreddert wurden. Denn die Küken, ob sie nun konventionelles Huhn oder Bio-Huhn werden, kommen alle aus den gleichen Brutanlagen… Und auch hier gilt: Wenn sie keine Eier mehr legen – und das ist laut dem Bio-Bauern aus dem Kreis Borken mit 12 bis 15 Monaten der Fall – dann enden sie als Suppenhühner. Die normale Lebenserwartung von Hühnern liegt bei etwa fünf Jahren.

Vegane Bücher

Okay, nachdem mir also endlich klar war, dass Milchprodukte und Eier auf meinem Speiseplan nichts mehr zu suchen haben, besuchte ich die Frankfurter Buchmesse und deckte mich mit veganen Büchern ein – einige Rezensionen findet ihr in meinen Blogbeiträgen. Als erstes stand mir Nicole Just mit ihrem Buch „La Veganista“ hilfreich zur Seite. Daraus habe ich anfangs vieles gekocht: Chili sin Carne, Aloo Palak, Pizza tricolore. Lauter leckere Sachen, so dass ich bis heute nicht einmal das Gefühl hatte, auf etwas zu verzichten. Im Gegenteil: Aus mir ist in diesem einen Jahr eine ganz gute Köchin geworden, die gerne in der Küche steht und neue Gerichte ausprobiert. Und ich habe schon einige Leute von meinen neu erworbenen Kochkünsten und damit auch von veganen Gerichten überzeugen können. Mehr lest ihr hierzu demnächst unter „Kochen mit Nicht-Veganern“. Von Nicole Just lernte ich auch, wie man Eier ersetzt, welche Milch im Kaffee schmeckt und was Seitan oder Tempeh ist.

Für die Tiere

Ein Jahr als Veganerin ist rum, ohne dass ich von meine Erfahrungen berichtet habe. Das soll nun anders werden. Warum? Weil mich der ganze Themenkomplex nicht mehr loslässt. Ich habe in diesem Jahr so viel über unseren Umgang mit den Tieren gelesen und so viel recherchiert, dass ich manches Mal davon träume. Als Journalistin, die sich regelmäßig mit Natur-, Umwelt- und Tierschutz beschäftigt, ist es meine Aufgabe, so viele Menschen, wie es mir möglich ist, aufzurütteln und mit Argumenten zu überzeugen, ein anderes Bewusstsein zu entwickeln. Für die Tiere. Für die Natur. Für die 2,2 Millionen Kinder dieser Welt, die immer noch jedes Jahr an Hunger sterben, während wir Europäer und US-Amerikaner immer dicker werden…

Last, but not least: Wer bin ich?

Ach ja: Ich heiße Astrid Beckmann, bin 42 Jahre alt und lebe mit Sohn und zwei Meerschweinchen in Münster. Ich habe fast 20 Jahre für die Münstersche Zeitung gearbeitet und hier unter anderem das Jugendmagazin „Blaumacher“ und das Familienmagazin „Moritz“ betreut. Mit einer Kollegin betreibe ich seit 2008 die Münsterland-Agentur. Hier schreiben wir über alle möglichen und unmöglichen Themen, die das Münsterland so bietet. Da das Münsterland aber eben nicht nur schön, sondern eines der agrarintensivsten Gebiete Deutschlands ist, möchte ich zukünftig an dieser Stelle in den Kategorien „Nachgefragt“ und „In Erfahrung gebracht“ über grüne Themen – oder auch das Gegenteil davon – aus meiner Stadt und dem Umland berichten. Themenrelevante Beiträge, die ich in verschiedenen Medien veröffentlicht habe, findet ihr als PDFs unter Medien.

Update

Tja, einige Zeit ist schon wieder vergangen seit ich diese Seite ins Leben gerufen habe. Seit beinahe 2 Jahren arbeite ich nun schon für das vegetarische Magazin „natürlich“, das in vielen Reformhäusern Deutschlands ausliegt. Auch dort beschäftige ich mich hauptsächlich mit ernährungsrelevanten Themen. Wann immer es möglich ist, versuche ich Themen rund um Umwelt- und Tierschutz mit unterzubringen. Manchmal gelingt das auch 🙂

 

2 Kommentare

  1. Hallo Astrid!

    Ich frage mich gerade ernsthaft, warum ich deinen Blog erst jetzt entdeckt habe – du beschäftigst dich mit genau denselben Themen wie ich und kommst auch noch aus Münster! Toll! 🙂
    Da bleibe ich dir doch gleich einmal auf den Fersen und freue mich auf noch viel mehr tolle Inspiration.

    Liebe Grüße
    Jenni

    Gefällt mir

    • Hallo Jenni,

      da kann ich nur sagen: dito! Bin grad über deinen Blog gehuscht. Tolle Sachen, die du da machst. 🙂 Keine Ahnung, warum wir uns nicht früher entdeckt haben. Aber das können wir ja nun nachholen. 🙂 Liebe Grüße, Astrid

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s