In den Topf geguckt
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Cheese Cake – eine ewige Liebe

USA, vor 23 Jahren. Ich war jung. Sehr jung. Machte ein Aupair-Jahr, lebte ein Jahr lang bei einer tollen Familie in Connecticut. Die beiden Mädchen, die ich damals  betreute, sind heute beide um die 30, verheiratet und eine von beiden ist junge Mutter. Doch das nur am Rande. Es geht um Doreen und mich. Doreen ist seit damals meine Freundin. Wir trafen uns … und mochten uns erstmal gar nicht. Ich hatte es verbockt. Denn als sie mich wenige Wochen nach meiner Ankunft anrief und fragte, ob wir nicht mal was gemeinsam unternehmen wollen, sagte ich: Nö, kein Interesse, ich möchte Amerikaner kennenlernen. Ziemlich arrogant…

Dass wir dann doch noch Freundinnen wurden, war purer Zufall. Wir trafen uns am Community College wieder, wo wir denselben Englischkurs belegt hatten. Was für ein Glück! Wir bemerkten, dass wir uns doch ganz sympathisch fanden und waren von da an häufig gemeinsam unterwegs. Ich nahm sie mit zu meinen amerikanischen Freunden, einer von ihnen wurde später ihr Lover. Es hielt zwar nicht, doch sind wir beide bis heute mit S. befreundet.

Was Doreen und mich neben vielen anderen Dingen eint: unsere abgöttische Liebe zu American Cheese Cake. Ich glaube, es gibt keinen Laden, in dem wir nicht waren, um den dortigen Cheese Cake zu testen. Nach so vielen Jahren erinnere ich mich kaum noch an all die Diner, die wir besuchten, um Käsekuchen zu essen. Es gab mal so eine Nacht, da waren wir mit P. (mein damaliger Freund) und S. in Hartford, Ct., unterwegs und landeten in so einem Diner – damals noch mit der echten 50ies-Ausstattung, den rosafarbenen und hellblauen Sitzen, den organisch geschwungenen Tischen, der Jukebox, wo P. „Sweet Home Alabama“ auswählte. Das war damals unser Song, wenn wir zu viert die Gegend unsicher machten. Dort, in diesem Diner, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere, hatten wir den vielleicht besten Cheese Cake  unseres Lebens.

Warum ich das alles erzähle? Weil ich ENDLICH die vegane Form dieses besten Cheese Cakes entdeckt habe! Denn natürlich wollte ich, als ich vegan wurde, keinen Käsekuchen mehr essen. Wobei die deutsche Form dieses Kuchens sowieso nicht an die amerikanische heranreicht. Da bin ich oft enttäuscht worden…

Doreen kommt im Oktober nach Deutschland, im Gegensatz zu mir ist sie damals dort geblieben. Eigentlich verrückt: Ich liebte dieses Land über alles, sie fand es dort die ersten Monate ganz furchtbar – bis sie mich (und meine amerikanischen Freunde) näher kennenlernte. Ich ging zurück nach Deutschland, sie nicht. Natürlich werde ich Doreen einen, nämlich meinen, veganen Cheese Cake backen. Ich bin gespannt, ob sie ihn so toll findet wie ich.

Meinen lieben Arbeitskolleginnen habe ich kürzlich diesen Kuchen gebacken. Sie waren, wenn sie nicht geschwindelt haben 😉 , alle begeistert und fragten nach dem Rezept. Ihr Lieben, hier ist es nun!

Für den Boden:
260 g Dinkelmehl
1/2 Päckchen Backpulver
120 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
160 g Alsan (vegane Butter), fest und kalt
Für die Füllung:
800 g Seidentofu (2 Pakete)
400 g fester Tofu
240 g Alsan
1 Limette
160 g Zucker
2 Pakete Vanillepuddingpulver

1. Für den Boden Mehl, Backpulver, Zucker und Vanillezucker in einer Schüssel vermischen. Die Butter in kleinen Stückchen daraufgeben und alles mit den Händen rasch zu einem Teig verkneten. Den Teig in die Form drücken, dabei einen Rand hochziehen. Die Form in den Kühlschrank stellen.

2. Dann ist für rund 30 Minuten Pause, bevor es weitergehen kann, denn der Teig muss schön kühl werden. Zu gegebener Zeit den Seidentofu nehmen und in ein mit einem Küchenhandtuch ausgelegtes Sieb geben, sodass er abtropfen kann. Auch den festen Tofu von überschüssiger Feuchtigkeit befreien, indem man ihn abtupft.

3. Die Butter für die Füllung in einem Topf langsam erhitzen, schmelzen und leicht abkühlen lassen. Derweil die Limette heiß waschen, Schale fein abreiben und Saft auspressen. Schale und Saft mit der flüssigen Butter, den beiden Tofusorten, dem Zucker und Puddingpulver in einen Mixer geben. Ich stelle die Creme mit meinem Hochleistungsmixer her, damit sich alles zu einer homogenen Masse vereinigt. Da auch das etwas dauert, da man die Masse oft mit einem Löffel durchrühren muss, bis wirklich alles vom Mixer zerkleinert wurde, dachte ich kürzlich: Probiere ich es doch mal mit meinem alten (und nicht sehr starken) Handrührgerät. Also davon kann ich nur abraten! Zuerst flogen mir alle möglichen Bestandteile um die Ohren, dann wurde der feste Tofu nur grobstückig… Entnervt gab ich dann doch alles wieder in meinen Hochleistungsmixer. Und: Ende gut, alles gut 🙂 Eine gute Küchenmaschine erfüllt sicher auch ihren Zweck. Entscheidend ist bei diesem Rezept, dass alle Zutaten sich richtig schön mischen und zu einer homogenen Creme werden – die ich übrigens schon pur absolut liebe. So hingebungsvoll habe ich seit Kindertagen keine Schüssel mehr ausgekratzt.

4. Nun die Creme in die Form mit dem Teig gießen und bei 180 Grad für 1 Stunde in den Backofen geben. Am besten den Holzstäbchentest machen: Wenn nichts mehr kleben bleibt, ist der Käsekuchen fertig. Bevor die Gäste ihn essen dürfen, muss er nur noch richtig abkühlen.

Kleiner Tipp: Bisher habe ich den Kuchen immer ganz frisch gebacken, doch für meine Kolleginnen „musste“ ich ihn am Abend vorher machen, da es morgens vor der Arbeit nicht hinzukriegen war. Was soll ich sagen: Es funktioniert. Er schmeckt auch am 2. Tag noch ganz wunderbar. Wer mag, kann nun noch frische Früchte der Saison draufgeben. Viel Spaß beim Backen! Und noch mehr beim Genießen!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: In den Topf geguckt

von

Wer ich bin? Journalistin - Tierfreundin - Naturbegeisterte - Reisende - Sportlerin - Yogi - begeisterte Köchin. Manchmal auch zweifelnd - traurig - wütend - angesichts des Zustands dieser Welt.

11 Kommentare

  1. Wow, tolle Fotos! Der Kuchen ist lecker #natürlich 😋
    Mittlerweile gibt es schon ‚vegane Klassiker‘, das ist schon ziemlich cool.
    Liebe Geüße,
    Andrea

    Gefällt mir

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