In Erfahrung gebracht, Vorgestellt
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Eine Hommage an den Spargel

Kurz vor Ende der Spargelsaison möchte ich euch an einem Artikel über das Edelgemüse teilhaben lassen, den ich kürzlich für das Magazin natürlich geschrieben habe. Eine persönliche Geschichte, denn mein Vater baut seit vielen Jahrzehnten Spargel an. 

Schon als ich ein Kind war, hatte mein Vater Spargelbeete in seinem Schrebergarten. Diese sind dort, an wechselnden Stellen, seit nunmehr 35 Jahren. Jedes Jahr im Mai und Juni versorgt er meine Familie und mich mit dem gesunden Gemüse. Und wenn er – gegen seinen ausdrücklichen Wunsch – mitten in der Saison für einige Tage mit meiner Mutter verreisen muss, dann steche ich den Spargel. Für die vier je zehn Meter langen Reihen benötigt ein einzelner Mensch an guten Spargeltagen rund anderthalb Stunden. Wenn es angenehm warm ist und möglicherweise am Abend vorher noch ein leichter Sommerregen fiel, dann wartet viel Arbeit. Die Rückenschmerzen danach gibt’s inklusive.

Der Spargel wird gestochen, bevor er aus der Erde schaut. Dort, wo sich der Sand verdächtig anhebt oder kleine Risse bildet, greift man mit den Fingern hinein, legt die Spargelstange frei und sticht sie mit einem langen Spezialmesser ab. Zu spät ist man dran, wenn der Spargel schon neugierig seinen Kopf aus der Erde steckt. Denn der verfärbt sich lila. Auf dem Markt ist er nur noch B-Ware, schließlich soll das königliche Gemüse reinweiß sein. Uns ist das egal, wir essen Spargel auch mit gefärbtem Kopf gerne.

Violetter Spargel als Delikatesse

In Frankreich gilt der violette Spargel sogar als besondere Delikatesse und kommt daher meist auch so in den Handel. Die Färbung erhält der Spargel übrigens, weil er durch den Kontakt mit der Sonne sogleich die Stoffe zu bilden beginnt, die er für die Photosynthese benötigt. Wir Deutschen küren jedes Jahr Spargelköniginnen, feiern Spargelfeste und veranstalten Spargelumzüge. Von Mitte April bis zum 24. Juni herrscht fast Ausnahmezustand in unserem Land – endlich gibt es ihn wieder, den heimischen Spargel. Der kommt in allen erdenklichen Variationen auf den Teller. Mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise, als Suppe, Quiche, Lasagne oder Cappuccino. Oder – ganz wild – als Sorbet, Pannacotta oder in karamellisierter Form. Dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt.

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Doch warum lieben die Deutschen ihren Spargel wohl so sehr? Der offensichtlichste Grund: weil er einfach richtig lecker ist. Sicherlich auch, weil er, wie die Erdbeeren, nur für einen kurzen, begrenzten Zeitraum aus heimischen Gefilden stammt. Da man ihn beim Landwirt nebenan holen kann, bekommt man ein Gefühl für die Saisonalität und Regionalität des Gemüses. Das fühlt sich ziemlich gut an. Und schließlich der dritte Grund: weil Spargel so gesund ist. Er ist kalorienarm und enthält gleichzeitig viele Vitamine (A, B1, B2, C, E und K) und Mineralstoffe (Eisen, Kalium, Phosphor und Jod). Er wirkt harntreibend, entgiftend und entwässernd. Wer ihn isst, fühlt sich gleich besser.

Beim Spargel handelt es sich um eine mehrjährige Staude. Die Stangen einer Spargelpflanze können etwa zehn bis zwölf Jahre geerntet werden. Auch der Spargel in unserem Schrebergarten wächst nicht seit 35 Jahren an der gleichen Stelle. Im Laufe der Jahre werden die Spargelstangen dann immer dünner, bis sich die Ernte nicht mehr lohnt. Zuvor sollte man indes schon ein neues Spargelfeld angelegt haben, denn erst im dritten Jahr nach der Pflanzung liefert es die erste volle Ernte.

Preis für das Edelgemüse hat sich gewaschen

Dass Spargel so teuer ist – im Vergleich zu anderen Gemüsen – liegt im aufwendigen und arbeitsintensiven Anbau begründet. Wer weiß, wie viel Arbeit es macht, um ein Kilo Spargel zu stechen, findet einen Preis von 7 bis 15 Euro pro Kilo (je nach Wetterlage) jedoch nicht länger übertrieben. In den letzten Jahren erobert grüner Spargel langsam unsere Teller. Möglicherweise, weil er etwas aromatischer schmeckt und man ihn – welch ein Vorteil – nicht schälen muss. Da grüner Spargel in vielen Ländern angebaut wird, bekommt man ihn mittlerweile fast das ganze Jahr über. Allerdings entfällt dann auch die Vorfreude auf die nächste Saison.

Wie mein Vater es macht, dass der Spargel uns knackig frisch erreicht? Er schlägt die gerade geernteten Stangen in ein feuchtes Küchentuch ein und legt das Paket ins Gemüsefach des Kühlschranks. So hält sich der Spargel einige Tage. Übrigens werden weder Schalen noch Spargelenden in den Müll geworfen. Aus ihnen wird nämlich eine leckere Suppe, die man nur noch mit Gewürzen und Spargelstücken verfeinern muss.

Mein Vater wird bald 73 Jahre alt. Seit zwei Jahren kündigt er an, dass dies sein letztes aktives Spargeljahr sei, die Arbeit würde zu anstrengend. In seiner Familie ist das Entsetzen jedes Mal groß. Bisher hat er die Beete zwischen Februar und März dann doch wieder mit Erde angehäufelt, die sogenannten Spargeldämme an- und dann losgelegt. Er kann es halt nicht lassen. Hoffentlich noch für einige Jahre mehr.

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So viel zu meinen Erfahrungen rund um den Spargel. Wollt ihr den Originalartikel lesen? Dann klickt hier: natürlich und blättert euch durch die Mai-Ausgabe. Die natürlich gibt es übrigens im Reformhaus. Sie hat eine Auflage von 500.000 und erscheint jeden Monat.

Zwei leckere Gerichte

Und falls ihr euch inspiriert fühlt und noch bis zum 24. Juni Spargel auf den Teller bringen wollt – Blumenkohlpüree mit gebackenem Spargel und Spargeltoast sind zwei Gerichte, die ich kreiert habe und die etwas außergewöhnlicher sind. Ihr findet sie hier:

https://gruenetomaten.com/2016/05/27/blumenkohlpueree-mit-gebackenem-spargel/

Baerlauchpueree an gebackenem Spargel und Fenchel mit Kichererbsen

https://gruenetomaten.com/2015/05/23/spargeltoast-mit-schwarzen-oliven-und-getrockneten-tomaten/

Spargeltoast mit Tomaten und Oliven (1)

3 Kommentare

  1. Ich liebe die Spargelsaison und freue mich jedes Jahr darauf. Einmal habe ich mich auch mit dem Anbau von grünem Spargel versucht, als er dann im 3. Jahr endlich geerntet werden konnte, war der Ertrag doch spärlich. Mit Folie wollte ich nicht arbeiten und so lasse ich es, am kann nicht alles selber haben. Aber Deinen Vater bewundere ich. Den lila Spargel mag ich auch am liebsten, leider gibt es ihn recht selten. Ich finde auch, dass der wachsende Anbau unter Folie dem Spargel und der Umwelt nicht gut tut.
    Nun wollen wir die letzten Tage genießen und uns aufs nächste Spargeljahr freuen.
    Lieben Gruß Marlies

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    • Hallo Marlies, ich finde es toll, dass du versucht hast, deinen eigenen Spargel anzubauen. Dafür muss man schon Durchhaltevermögen mitbringen. In meinem eigenen kleinen Garten wachsen eher die weniger empfindlichen Gemüsesorten wie Möhren, Radieschen, Salat und Bohnen 😉 Dass mein Vater seit so vielen Jahrzehnten Spargel anbaut finde ich auch bewundernswert (wie man dem Text vermutlich entnimmt). Und du hast völlig Recht: Die ganze Folie tut der Umwelt garantiert nicht gut! Meine Eltern kommen heute übrigens vorbei: Im Gepäck – natürlich Spargel 🙂 Liebe Grüße, Astrid

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