Nachgedacht
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Wir trauern um Millie

Vor einem Monat, am 3. April, ist Millie, unser Meerschweinchen, gestorben. Einen Monat zuvor, am 9. März, haben wir noch ihren 9. Geburtstag gefeiert. Mein Sohn und ich vermissen Millie sehr.

Nach dem Tod ihres Partnerschweins Ginni vor über einem Jahr wollten wir kein neues Meerschweinchen zu uns holen. Wir wussten ja nicht, wie lange Millie noch leben würde… Und eines wird immer das letzte sein. Damit Millie nicht vereinsamte, hat sie jede freie Minute mit uns verbracht. Sie liebte es, bei ihren Menschen zu sitzen. Am liebsten lag sie den ganzen Abend auf meinem Schoß und ließ sich streicheln, während ich Fernsehen schaute oder Freunde zu Besuch hatte. Millie hat das geliebt. Sie hatte ein kleines Bettchen, in dem sie neben mir auf dem Sofa saß. An manchen Abenden war sie sehr müde und schlief einfach. An anderen kam sie herausgekrabbelt, wenn sie fand, dass ich sie nicht genügend streichelte. Dann zupfte sie an meinem Ärmel, als wolle sie sagen: Hey du, streichel mich bitte! Millie war da wie ein kleiner Hund – immer seeeehr liebebedürftig. Viele Meerschweinchen sind eher ängstlich, wollen ihre Ruhe vor uns Menschen haben. Bei Millie war das komplett anders.

In diesem Jahr ist sie sehr krank geworden. Im Februar waren ihre Hinterbeinchen plötzlich gelähmt. Sie konnte nur noch ein wenig durch ihren Stall robben. Sie hat das klaglos hingenommen. Nie machte sie den Eindruck, als wolle sie nicht mehr. Weiterhin saß sie abends bei mir, zupfte an mir herum, leckte meine Finger ab. Es war sogar so, dass es im März wieder aufwärts ging, ihre Beweglichkeit verbesserte sich. Mein Sohn und ich dachten schon, nun hat sie doch noch einen schönen Sommer mit uns im Garten….

Am 1. April nachmittags stellte sie plötzlich die Nahrungsaufnahme komplett ein, hatte einen dick geschwollenen Bauch, konnte nicht mehr käckeln. Noch kein Grund zur Besorgnis, das war Zeit ihres Lebens ihr Problem. In den meisten Fällen half da ganz schnell Sab Simplex, das man auch Baby bei Bauchweh gibt. Also gab ich ihr das Mittelchen und massierte ihren Bauch. Am nächsten Tag fuhren wir zum Tierarzt, da sich noch keine Besserung eingestellt hatte. Er gab ihr stärkere Medikamente, die den Darm wieder auf Trab bringen sollten. Die nächste Nacht verbrachte ich fast komplett bei Millie. Gab ihr die Medikamente, gab ihr Fencheltee, massierte ihren Bauch. Doch nichts half. Am Sonntag dann war Millie in einer derart schlechten Verfassung, dass wir uns sehr schweren Herzens entschlossen sie einschläfern zu lassen.

Man hätte noch einen einzigen Schritt versuchen können: eine Punktion des Blinddarms. Dabei wird einem Meerschweinchen OHNE Betäubung eine Nadel in den Blinddarm geführt, um die Gase langsam entweichen zu lassen. Der Tierarzt sagte, dass er das nur sehr ungern mache, weil es sehr schmerzhaft sei und die Tiere anschließend häufig eine Bauchfellentzündung bekommen und dann sterben. Das alles wollte ich Millie mit ihren 9 Jahren nicht mehr zumuten. Am Sonntag Nachmittag ist sie in meinen Armen gestorben.

Unser Tierarzt schrieb uns in der Woche darauf einige sehr liebe Zeilen:

Wer liebt, muss auch loslassen können. Denn, wenn die Kraft zu Ende geht, ist es kein Sterben, sondern Erlösung.

Weine nicht um mich, da ich jetzt hinausging in die sanfte Nacht.
Trauere, wenn du willst, dem Flug meiner Seele hinterher.
Ich habe jetzt Frieden, meine Seele hat jetzt Ruh.
Tränen baucht es nicht dazu.
Es gibt keinen Schmerz, ich leide nicht.
Mach deinen Kopf frei, ich lebe in deinem Herzen fort.
Vergiss die schweren Zeiten, vergiss das Krank-gewesen-sein.
Vergrab dich nicht im Jammertal, sonder freu dich.
Ich habe gelebt.
Zusammen mit dir!

Ja, das hat sie! 9 Jahre lang. Danke Millie, für die gemeinsame Zeit.
Wir werden dich nie vergessen.

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Millie-Montage

Millie und Ginni

Millie und Ginni 2

 

 

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: Nachgedacht

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Wer ich bin? Journalistin - Tierfreundin - Naturbegeisterte - Reisende - Sportlerin - Yogi - begeisterte Köchin. Manchmal auch zweifelnd - traurig - wütend - angesichts des Zustands dieser Welt.

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