Nachgedacht
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R.I.P. Ginni

Ginni, eines unserer Meerschweinchen, ist am vergangenen Freitag gestorben. R.I.P. Ginni! Vielleicht gehört der Tod eines geliebten Haustieres nicht unbedingt in diesen Blog. Aber hier habe ich die Möglichkeit, nochmal an sie zu erinnern. Zudem möchte ich ein paar Gründe geben, warum man sein Haustier immer aus dem Tierheim holen und nie beim Züchter kaufen sollte. Und schließlich ist Ginnis Tod der Grund dafür, dass ich so lange keinen Text veröffentlicht habe… In der Woche vorher war sie schon schwer krank, sie hatte eine Blasen- und Lungenentzündung und musste mit der Pipette gefüttert werden, weil sie nicht mehr fressen wollte. Möglicherweise hätten wir sie bereits einige Tage eher einschläfern lassen sollen, aber man hofft ja immer, dass das Tier wieder gesund wird…

Acht Jahre

Ginni und Millie, die jetzt allein zurückgeblieben ist, haben beide in diesem Monat Geburtstag. Sie werden bzw. würden acht Jahre alt. Für eine Meersau ist das schon ein ganz gutes Alter. Und sie hatten für Meerschweinchen-Verhältnisse ein schönes Leben. Draußen im Garten gab es ein großes Gehege, das sie in den warmen Monaten nutzten. Im Haus hatten sie zwei Käfige, zwischen denen sie hin- und herspringen konnten. Auf dem überdachten Balkon stand ein selbstgezimmerter Kasten mit einer kleinen Rasenfläche, den sie an regnerischen, aber warmen Tagen nutzen konnten.

Meerschweinchen gelten als beliebte Haustiere. Doch oft habe ich in der Vergangenheit auch kritische Artikel dazu gelesen. Meerschweinchen sind für kleine Kinder nicht unbedingt zu empfehlen. Viele gehen viel zu rabiat mit ihnen um – Meerschweinchen mögen es gar nicht, ständig hochgehoben und durch die Gegend geschleppt zu werden. Ich bin mir sicher, dass auch Kaninchen das nicht toll finden, doch sie sind offenbar stressresistenter.

Verschiedene Charaktere

Unsere Meerschweinchen waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Ginni fand es tatsächlich nicht toll, hochgehoben zu werden. Sie mochte es, wenn man ihr Futter hinhielt. Streicheln, wenn auch etwas widerwillig, ließ sie sich auch. Angst vor uns hatte sie nicht. Aber sie wollte nicht auf den Arm. Millie hingegen, sie liegt gerade, während ich diesen Text schreibe, neben mir, liebt es, bei ihren Menschen zu sitzen. Sie leckt unsere Finger ab wie ein kleiner Mini-Hund. Sie gibt wohlige Knurrgeräusche von sich, wenn sie auf dem Schoß sitzen darf und gestreichelt wird. Damit sie nicht vereinsamt, holen wir sie nun immer morgens und abends ein wenig zu uns aufs Sofa. Und zwischendurch darf sie in der Küche frei herumlaufen. Optimal ist das sicher nicht, das Leben so allein. Aber ein neues Meerschweinchen werden wir nun auch nicht kaufen. Neben aller Freude, die Tiere einem bereiten, so bedeuten sie auch eine Menge Verantwortung. Und sie kosten einiges. Vor drei Jahren war Ginni an Eierstockkrebs erkrankt. Ich habe sie für 150 Euro operieren lassen. Der Tierarzt, er war noch jung, meinte damals, er habe diese OP noch nicht bei einem Meerschweinchen durchgeführt, weil die meisten Besitzer das Tier in so einem Fall lieber sofort einschläfern ließen. Nach dem Motto: Ist ja nur ein Meerschweinchen, für 15 Euro – oder 20 oder 30 – kriege ich ja schon ein Neues…

Spaß und Freude

Tiere bedeuten jede Menge Spaß und Freude. Eigentlich hatte ich fast immer Haustiere, mein Leben lang. Die Meerschweinchen Mucki, Cherry, Ginni und Millie. Den Kater Kasimir. Die Hündin Neva. Das Wellensittich-Mädchen Robinson. Zwei Unzertrennliche – Geier und Walli. Und etliche Kanarienvögel. Doch so viel Freude sie uns auch machen, wie viel Freude machen wir ihnen eigentlich? Man muss sich schon sehr bemühen, um ihnen ein schönes Leben zu bieten. Wie viele gerade dieser kleinen Tiere sitzen von morgens bis abends im Käfig, kommen viel zu selten zum Herumlaufen oder Herumfliegen hinaus? Wie viele Hunde sitzen viel zu oft allein in der Wohnung, kommen zu selten für Spaziergänge nach draußen? Und Katzen, finde ich, haben in Städten nicht ganz so viel verloren. Für mich gehören sie aufs Land, wo sie ihr Leben in Freiheit und Unabhängigkeit genießen können.

Aus dem Tierheim

Wer sich für Haustiere entscheidet, der sollte sie aus dem Tierheim holen. Und niemals beim Züchter. Die Tierrechtsorganisation PETA schreibt, dass „ca. 300.000 Tiere in deutschen Tierheimen abgegeben“ werden – jedes Jahr. Sie alle suchen ein neues Zuhause. Im Tierheim findet sicher jeder Mensch den zu ihm passenden tierischen Partner. Mein Sohn und ich gehen öfter mit Hunden aus dem Tierheim spazieren. Wir machen das schon seit mehreren Jahren, und jeder einzelne dieser Hunde war so toll, dass wir ihn am liebsten sofort adoptiert hätten. Das Vorurteil also, dass Hunde aus dem Tierheim einen „Schaden“ haben, stimmt meiner Meinung nach nicht.

Wer beim Züchter oder im Zooladen kauft, unterstützt – unwissentlich natürlich, weil er sich keine Gedanken gemacht hat – Tiermissbrauch und nimmt einem Tier aus dem Tierheim die Chance auf ein neues Zuhause. Recherchen von PETA haben schon oft gezeigt, wie grausam die Zustände hinter den Kulissen der Zuchtindustrie sind. PETA schreibt: „Kleintiere, aber auch immer mehr Hunde, werden bei Großzüchtern massenhaft „produziert“ und gewinnbringend vermarktet. Das Individuum gerät dadurch völlig in Vergessenheit und wenn ein Tier krank oder verletzt ist, würde ein Besuch durch den Tierarzt schlichtweg zu viel kosten, als dass es sich auf die Masse gerechnet für den Händler lohnt. Viele Tiere werden in völlig überfüllten Käfigen gehalten, wieder andere sitzen als soziale Tiere alleine hinter Gittern. Die „Ladenhüter“ in Zooläden und in der Zuchtindustrie werden in vielen Fällen getötet und entsorgt oder als „Frostfutter“ für exotische Tiere verkauft. Die Tötung findet dabei oftmals auf grausame Weise, z.B. durch Erschlagen oder lebendiges Einfrieren, statt.“ Jedes Tier also, das man bei einem Züchter oder Händler kauft, kurbelt die weitere Produktion von Tieren an. Der erste Weg sollte daher immer ins nächste Tierheim führen.

Hier noch einige Fotos von unseren Schweinen. Ginni ist das Glatthaar-Meerschweinchen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: Nachgedacht

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Wer ich bin? Journalistin - Tierfreundin - Naturbegeisterte - Reisende - Sportlerin - Yogi - begeisterte Köchin. Manchmal auch zweifelnd - traurig - wütend - angesichts des Zustands dieser Welt.

6 Kommentare

  1. Henning sagt

    Hallo Astrid,

    wunderschön geschrieben! Es ist immer sehr traurig, einen Begleiter zu verlieren. Ginni hat es bestimmt gut bei dir gehabt und für Meerschweinchen-Verhältnisse ein wirklich stattliches Alter erreicht. Das tröstet zwar nicht, aber macht dir vielleicht auch noch mal bewusst, wie wertvoll die verhältnismäßig lange Zeit mit ihr war.

    LG,
    Henning

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Henning, danke schön! 🙂 Ich hätte Ginni so gern diesen Sommer noch bei mir gehabt, ihr noch einen schönen Sommer im Außengehege im Garten gegönnt. Es sollte leider nicht sein…

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  2. chrisTel sagt

    Ja,es ist immer schlimm wenn man ein Tier einschläfern lassen muß.Aber in diesem Fall war es besser ! Man konnte nicht mehr helfen, und dann muß man eine Endscheidung treffen. Es schmerzt immer,wenn man daran denkt:)

    Gefällt 1 Person

    • Hallo chrisTel, ja wirklich, es schmerzt immer sehr, ein geliebtes Haustier zu verlieren. Aber wir hatten fast acht schöne Jahre, das tröstet ein wenig…

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