Nachgedacht
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Schweinchen „Sitz“

Gestern habe ich ein Video bei Facebook gesehen, in dem ein Schwein auf den Zuruf „Sit“ des Herrchens tatsächlich auch „Sitz“ macht. Echt lustig. Echt niedlich. Und ein weiterer, klitzekleiner Beweis dafür, dass Schweine lebende und fühlende Wesen sind – denen wir Menschen unvorstellbares Leid zufügen.

Schweine gehörten schon immer zu meinen Lieblingstieren. Ich habe als Kind sehr viel Zeit auf den Bauernhöfen meiner Großeltern verbracht – zu einer Zeit, in der längst nicht mehr alles gut war, die Tiere aber zumindst zeitweise noch draußen auf Wiesen lebten. Da hatte ich viel Kontakt zu den Schweinen, natürlich auch zu Rindern, Kühen, Bullen, Hühnern… Die Schweine hatten es mir immer besonders angetan. Mit ihren Rüsselnasen, den hochstehenden Ohren, den wachen Augen, den niedlichen Ringelschwänzen – ja, die hatten sie damals tatsächlich noch! Wie gern habe ich die kleinen Ferkel auf den Arm genommen und bin mit ihnen durch den Stall gestapft. Da war ich zu klein, um zu verstehen, was mit ihnen geschehen würde. Ich habe es nicht hinterfragt, aber es war auch niemand da, der mir beim Hinterfragen geholfen hätte…

Das Schwein weiß um sein Ich

Als ich gestern nun das Video sah, fiel mir ein Artikel aus der ZEIT wieder ein. Ich habe ihn gleich mal herausgekramt, er ist zwar aus dem Jahr 2012, aber seither hat sich ja nichts geändert. Eher ist das Wissen darum, wie intelligent Schweine sind, noch gewachsen. Der Artikel von Claudia Füssler heißt: „Das unterschätzte Tier – Das Schwein weiß um sein Ich“, und er beginnt so: „Müssten Hausschweine zum Amt, wüssten sie, wann sie dran sind. Und Geräte bedienen können sie auch. Eine Hommage an das verkannte Borstenvieh“ – so lautet der fette Vorspann. Dann geht es so weiter: „Das Schwein gehört zu den intelligentesten Säugetieren. Wer also in Momenten der emotionalen Entgleisung sein Gegenüber als „dummes Schwein“ beschimpft, offenbart, dass er keine Ahnung hat. „Man geht davon aus, dass Schweine mehr Kommandos lernen können als Hunde“, sagt Sandra Dübjahn, die am Leibniz-Institut für Nutztiere in Dummerstorf seit vielen Jahren mit Schweinen arbeitet.“

Nun will ich nicht den ganzen Artikel zitieren, ihr findet ihn hier:
www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-05/unterschaetztes-tier-schwein

Interessant ist eben, dass Schweine ihre Namen kennen, dass man ihnen beibringen kann, zu warten, bis ihr Name aufgerufen wird, bevor sie loslaufen, dass sie sich selbst im Spiegel erkennen. Mein Hund – den ich sehr geliebt habe – hat sich nicht im Spiegel erkannt. Und ich kenne viele Hunde, die den Fernseher ankläffen, wenn in dem dort gezeigten Beitrag ein Hund bellt, weil sie das Szenario für die Realität halten. Schweine sind intelligenter als Hunde – das weiß man inzwischen. Die Tiertrainerin Joanne Kóstiok  sagte einmal: „Einem Schwein bringe ich in 20 Minuten etwas bei, wofür ich bei einem Hund eine Woche brauche.“ Kóstiok  war unter anderem Trainerin für den Film „Schweinchen Babe“.

„Einem Schwein bringe ich in 20 Minuten etwas bei,
wofür ich bei einem Hund eine Woche brauche.“

Wie also kann es sein, dass wir Menschen Hunde lieben und Schweine essen??? Und sie, bevor wir sie essen, auch noch unter erbärmlichsten Umständen halten? Den Ferkeln – ohne Betäubung – die Ringelschwänzchen abschneiden, die Zähne abschleifen, die Hoden herausschneiden? Die Muttersauen in Boxen halten, in denen sie sich nicht einmal drehen können? Die Schweine in enge Ställe ohne Tageslicht und frische Luft einpferchen? Sie in ihren eigenen Exkrementen liegen lassen? Es hinnehmen, dass viele von ihnen – man geht von 500.000 Tieren aus  – schon auf dem Bauernhof bzw. dem Transport zum Schlachthof sterben?

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Weitere 500.000 Schweine sterben besonders qualvoll, wenn sie den Schlachthof erreicht haben: Aufgrund der geltenden Akkordarbeit werden rund 12 Prozent der Schweine bei von Hand bedienten, elektrischen Anlagen nicht richtig betäubt. In einem Beitrag von 3sat heißt es: „Um ein Tier abzustechen bleiben weniger als zwei Sekunden Zeit, wobei es passieren kann, dass der Stecher die großen Gefäße verfehlt, oder gar einmal ein Tier übersieht und das Tier gar nicht sticht, dann sind diese Tiere sehr schnell am Schlachtband wieder wach. Es gibt definitiv heute kein Kontrollsystem, um diese Tiere vor dem Verbrühen im anschließenden Brühsystem zu retten: Sie laufen unkontrolliert dort hinein.“ Das Ergebnis: Sie ertrinken qualvoll im 62 Grad heißen Brühbad. Wenn man das weiß, dann kann einem das Stück Fleisch auf dem Teller doch einfach nicht mehr schmecken, oder?

Den 3sat-Beitrag findet ihr hier:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/143211/index.html

Übrigens: Auch wenn Schweine – nach menschlichen Maßstäben – dumm wären, hätte ich die selben Gedanken notiert.  Denn egal, ob dumm oder intelligent, jedes fühlende Wesen hat gewisse Interessen – beispielsweise artgemäße Bedürfnisse auszuleben, soziale Kontakte zu pflegen, genug zu essen zu bekommen, nicht gequält zu werden. Und nicht getötet zu werden.

PS: Die Schweine auf diesen Fotos habe ich vor eineinhalb Jahren auf einem Bio-Hof im Münsterland fotografiert. Wie man sieht, liegen sie zufrieden im Stroh. Es geht ihnen also in diesem Moment gut. Nun mag sich der Biofleisch-Esser bestätigt fühlen: Das Tier ist glücklich, also darf ich es essen. Nein, ganz und gar nicht! Fakt ist doch, dass diese Tiere längst tot sind. Gestorben als Kinder oder Jugendliche. Denn das muss man wissen: Kein Tier, das für den Fleischkonsum geschlachtet wird, ist ausgewachsen. Schweine sterben mit unter einem Jahr. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei 15 Jahren (Quelle: VEBU)

 

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