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Anständig leben

„Einen Monat lang vegan leben. Ausgerechnet ich, die ich seit jeher jedem Vegetarier mein Beileid ausgesprochen habe und die wenig auf der Welt so glücklich macht wie ein  fingerdickes, blutiges Rindersteak…?“ Sarah Schill hat ein Buch geschrieben: „Anständig leben“ heißt es. Es ist ein Selbstversuch, in dem sie beschreibt, wie es ihr ergeht, nachdem sie beschließt, ihr Leben auf den Kopf zu stellen und von nun an vegan zu leben. Zunächst für einen Monat. Sie ist „Wegwerfmentalität und bodenlosen Massenkonsum in  unserer Gesellschaft“ leid. Leicht fällt ihr der Schritt dennoch nicht. Sie sitzt im Zug und hat tierischen Hunger. Sie sitzt im Restaurant und schielt neidisch auf den Teller des  fleischessenden Nachbarn. Doch sie gibt alles: Kauft sich verschiedenste Kochbücher, um festzustellen, dass vegan durchaus lecker sein kann. Sie besorgt sich  Selbsterfahrungsbücher anderer Autoren, die diesen Schritt bereits vor ihr gegangen sind. Besonders gefällt ihr „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Er sagt: Natürlich habe ich  Lust auf den Burger, aber ich denke nach – und bestelle etwas anderes.“ Ganz genauso  ergeht es Sarah Schill. Sie will nicht mehr, als sie im Frühstücksraum eines Hotels steht, „ohne nachzudenken von jedem etwas auf meinen Teller laden, einfach weil es da ist“.

Am  Anfang steht bei ihr so manches Mal Verzicht, bis sie erstmals „ein tolles Körpergefühl“ hat. Sarah Schill informiert sich und wird immer weiter in einen Strudel aus  immer mehr Informationen gezogen. Sie stellt fest, dass auch in Produkten, von denen sie  es nicht erwartet hat, tierische Inhaltsstoffe stecken können (Wein, klare Fruchtsäfte, Essig). Sie entdeckt, dass „in vielen Kosmetika wie Creme, Shampoo usw. tierische  Produkte enthalten sein können“ und befindet: „Mit ein bisschen Nachdenken hätte ich  darauf kommen können.“ Sie schaut den Film „Taste the Waste“ und lernt: „Allein von  dem, was wir in Europa wegwerfen, könnte dem Film nach die gesamte Weltbevölkerung  zweimal ernährt werden!“ Mit 1,3 Milliarden Tonnen schlecht gewordener und  weggeworfener Lebensmittel könnten die Hungernden dieser Welt ernährt werden. Eine Erkenntnis, die Sarah Schill berührt – und wütend macht.

Das Schicksal nimmt übrigens seinen Lauf, als Sarah Schill ihren ökologischen Fußabdruck ermitteln möchte. Sie wähnt sich als „Gutmensch“, der den Müll trennt, kein Auto fährt, Lebensmittel biologisch  einkauft. Doch der Fußabdrucktest, den sie im Internet macht und der aus persönlichem Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch errechnet,  wie viele Hektar Land es bräuchte, wenn alle so leben wollten wie sie, belehrt sie eines besseren: „Wir bräuchten dann 2,96 Erden.“ Sarah Schill ist entsetzt – und stellt ihr Leben auf den Kopf. Nur am Rande: Den Test sollte jeder einmal durchführen. Sehr aufschlussreich. Wer die Augen öffnet und mit wachem Verstand durch die Welt geht, statt alles kritiklos hinzunehmen, der wird sich in Sarah Schills Buch sehr oft wiederfinden.

http://www.footprint-deutschland.de
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Sarah Schill: Anständig leben. Mein Selbstversuch rund um Massenkonsum, Plastikmüll  und glückliche Schweine. Südwest-Verlag. 224 Seiten. 14,99 €.Anstaendig leben von Sarah Schill

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